Suzi: ein Hunde-Schicksal
Es ist ja nicht so, dass wir keine Ahnung von Hunden haben. Wir dachten, wir hätten schon alles gesehen und wüssten, worauf wir uns einlassen mit Max, zumal wir ja schon einige Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt hatten. Und weil wir selber auch immer ein mittelgrosses Rudel Streuner bei uns haben. Wir dachten, wir seien sozusagen «alte Hasen». Doch Max war bereits so krank, dass wir ihn nicht mehr retten und gleich wieder gehen lassen mussten. Das kam ganz unterwartet und war sehr traurig für uns. Daraufhin entschieden wir uns für eine «Hundepause».
Und dann kam Suzi. Trotz unserem Vorsatz haben wir uns Januar 2024 entschieden, Suzi bei uns aufzunehmen. Wir kennen die nun schon über 10-jährige Hündin aus Rumänien, haben sie jahrelang in Rumänien begleitet und beschlossen, dass die zutrauliche und kooperative Hündin in unser Rudel nach Mecklenburg kommen kann.
Sie kam bei uns an und wir waren – ähnlich wie bei Max – total geschockt: Wir konnten sie nicht einmal mehr anfassen! Aus der ehemals sehr zutraulichen Hündin war ein total verängstigtes, sehr unsicheres und sehr krankes Wesen geworden. Die Gründe für diese Verwandlung sind leider nicht in Erfahrung zu bringen.
Was nun? Wir brachten die Hundebox samt Suzi in unseren grossen Notfallzwinger, machten die Box auf und sie ist sofort in der Hundehütte verschwunden. In den kommenden Wochen kam sie nur aus der Hütte, um zu fressen und auch nur dann, wenn wir nicht in der Nähe waren. Tierarztbesuche waren nur mit Sedation und Maulkorb möglich. So hatten wir uns das nicht vorgestellt mit ihr! Sie beschwerte sich und heulte viel, uns war ganz elend.
Normalerweise werden bei uns neue Hunde umgehend in das schon bestehende Rudel integriert. Wir haben schon viele Hürden gemeistert, zumal hier im Haushalt auch ein Kind lebt. Das Zusammenleben von Kindern und Hunden ist – wie viele von Euch wissen – nochmals eine zusätzliche Herausforderung, selbst wenn das Kind hundeerfahren ist. Lili hatte uns die ersten sechs Monate lang angeknurrt und wollte niemanden in ihrer Nähe haben, Bonzo jedoch war sofort zutraulich gewesen. Jeder Hund ist anders. Für uns ist das Wichtigste, dass die Menschen unversehrt bleiben.
Wegen Suzi’s Verhalten haben wir in Büchern nachgelesen, gegoogelt, Hundetrainerinnen kontaktiert, mit anderen hundeerfahrenen Menschen gesprochen, unseren Verstand gebraucht, auf unseren Bauch gehört … – und doch hat uns die scheue und traurige Hündin fast zum Verzweifeln gebracht; sie wollte partout alleine bleiben.
Wir haben Suzi beim Tierarzt gründlich abklären lassen. Die Tests aus der Tierklinik ergaben eine eventuelle Kleinhirnschädigung. Zusätzlich dazu hatte sie eine Nierenschädigung, Verdauungsstörungen und litt an Anämie durch chronische Unterernährung. Und als wäre das nicht genug, litt sie auch an Giardien, einer Mitralklappeninsuffizienz und Arthrose. Vieles kann man mit Medikamenten unterstützen und manches sogar beheben, wie zum Beispiel Giardien.
Es stand in den Sternen, ob die Hündin den Oktober überlebt. Doch dann ist das Wunderbare geschehen, sie ist genesen und jetzt im November 2024 lebt sie mit dem Rudel im Haus, bekommt regelmässig ihre Medikamente und Schmerzmittel und ist aktiv und zufrieden.
Was war geschehen? Nachdem sie montelang Runden lief in ihrem Zwinger und heulte, ist sie im Juli aus ihrem Gartenareal ausgebüxt. Bei uns waren zu dieser Zeit gerade acht Hunde. Suzi hat von einem auf den andern Tag beschlossen, nicht mehr alleine sein zu wollen. Von diesem Zeitpunkt an konnten wir mit ihr arbeiten. Was haben wir uns gefreut! Nun ist sie im bestehenden Rudel integriert, lässt sich anfassen und genießt die Gesellschaft von Menschen und Tieren ganz offensichtlich. Wir können sie anleinen und mit ihr zum Tierarzt gehen ohne Sedation und Maulkorb. Sie freut sich sogar über Besuch und ist sehr lieb zu Kindern. Mit ihren Krankheiten und mit den sogenannten Defiziten können wir gut leben. Sie kann nicht mehr viel dazulernen. Grundgehorsam wie Platz oder Sitz lernt sie nicht mehr. Aber das macht uns nichts aus.
Wir haben mit Max und Suzi gelernt, dass wir nie hundeerfahren genug sind, weil jeder Hund individuell ist. Wir haben gelernt, dass wir nur ganz wenig wissen. Dass vieles einfach Zeit braucht. In Suzis Fall war sie es, die uns gezeigt hat, wann der richtige Zeitpunkt für sie ist, um in das bestehende Rudel integriert zu werden. Sie hat nach ein paar einsamen Monaten, in denen sie zur Ruhe kommen und heilen konnte, beschlossen, doch mit zu «rudeln», mit uns zu leben und nicht mehr alleine im Zwinger zu sein.
Durch diese sehr schwere, spezielle und auch schöne Erfahrung haben sich für uns nochmals viele Fragen darüber ergeben, was Tierschutz wirklich bedeutet und wohin uns unser Weg führt. Wir sind immer bestrebt, Tierleid zu verhindern oder mindestens zu verringern. Und wir freuen uns über jede und jeden, die oder der uns unterstützt.